Montag, 13. April 2009

KM 795 - Blue Mountains//Rutherglen: Neue Straßenerfahrungen, ungewollte Bekanntschaften und ein gescheiterter Sparplan

Nach zwei Tagen Ekelwetter zeigte sich Sidney zum Abschied noch einmal von seiner sonnigen Seite, als wir uns mit unserem gemieteten Campervan, unserem Gefährt/Unterkunft für die nächsten fünf Wochen, Richtung Blue Mountains in Bewegung setzten. Nach dem allgegenwärtigen Verkehrschaos in Kambodscha eine interessante Erfahrung: Du fährst zwar auf der „falschen“ Seite, aber wenigstens machen es alle gleich „falsch“. Und konstant links fahren und rechts überholen, das solls ja auch in Österreich geben (gell, Papa?!) ;-) Dabei ist natürlich nicht nur der Verkehr auf der „falschen“ Seite, sondern auch Fahrer- und Beifahrersitz sowie die Amaturen im Auto selbst. Aber auch das lernt man irgendwann, spätestens nachdem man zum x-ten Mal zum Abbiegen mit dem Scheibenwischer (auf der linken Seite) statt dem Blinker (auf der rechten Seite) geblinkt hat oder mit der rechten Hand nach dem Fensterheber gegriffen hat, in einem vergeblichen Versuch, damit den Gang zu wechseln (was meistens besser geht mit der sich links vom Fahrer befindlichen Gangschaltung).
Auf dem Weg aus Sydney raus kam das Ekelwetter allerdings wieder von seiner Mittagspause zurück und als wir unseren ersten Stop in den Blue Mountains erreichten, bestand deren vielgerühmte Aussicht aus einer Wand aus Regen und Nebel. Nach einer Nacht im absoluten Nirgendwo am Perry’s Lockdown (erreichbar nur über einige Kilometer von der Art holpriger Schotterstraße, die wir eigentlich laut unserem Mietvertrag gar nicht hätten befahren dürfen, aber hey, was tut man nicht für einen gratis Campingplatz?!) wurden wir dafür am nächsten Morgen mit umso spektakuläreren Aussichten entschädigt, weite Canyons und Felsen, manche immer noch leicht verdeckt von den Nebeln und Wolken der vergangenen Nacht.
Und auch unserem Van schien es hier zu gefallen, denn als wir uns wieder auf den Weg machen wollten, ließ er sich nicht mehr starten. Das einfache, aber erschreckend existentielle Problem: Der Schlüssel ließ sich nicht mehr umdrehen. Ehrlich, man kommt sich relativ doof vor, wenn man zuerst bei der Verleihfirma und dann beim australischen ÖAMTC, der Roadside Assistance, anruft und ihnen erklärt, das Problem beim Auto sei, dass sich der Schlüssel nicht umdrehen lasse... Und so war unsere erste nähere Begegnung mit einem Australier die mit Mr. Matthew Ramsay – dem Fahrer des örtlichen Aschleppwagens (dessen Bild übrigens definitiv im Lexikon neben dem Wort „Abschleppfahrer“ zur bildlichen Illustration abgedruckt gehört – einfach ein Bild von einem Abschlepptruckfahrer). Als er uns nach einem Telefonat mit der Werkstatt sagte, es könne sein, dass sich die Reparatur an diesem Tag vielleicht mehr ausgeht und da es bereits Freitag nachmittag war, hatten wir schon Angst vor einem Wochenende Zwangspause in Katoomba, tiefste Provinz in New South Wales. Eine Horrorvision, schöner Ausblick hin oder her. Nach einer beeindruckenden Fahrt im Abschleppwagen (Wenn alle ihr Fahrzeug dermaßen beherrschen würde wie dieser Mr. Ramsay seinen Truck mit noch dazu einem Van hinten drauf, wären die Straßen dieser Welt ein wesentlich sichererer Platz) stellten sich diese Befürchtungen aber als ungerechtfertigt heraus: Der Mechaniker prognostizierte kurz, dass lediglich der Schlüssel ausgeleiert sei, streute irgendein mysteriöses Pulver ins Schlüsselloch und alles funktionierte wieder reibungslos. Sein einziger Kommentar: „Na ja, nach 400.000 km wärst du wohl auch etwas ausgeleiert.“
Nach den Blue Mountains ging es für zwei weitere Tage Richtung Melbourne durch herrliche, scheinbar endlose Hügellandschaften. Eine wirklich schöne Gegend... vor allem sehr viel „Gegend“, nur selten unterbrochen von netten kleine Städtchen, wie man sie sich normalerweise eher im amerikanischen Mittleren Westen vorstellt: Ein paar Häuser, eine Main Street mit kleinen Shops, einem Supermarkt, Restaurants und einer Bar, wo die Kellnerin die Kundschaft noch mit einem herzhaften „G’Day, what can I get ya, darlin’?!“ begrüßt.
Und nachdem wir bereits in Katoomba unsere ersten Känguruhs gesehen hatten (eine Australien-Erfahrung, ähnlich fundamental wie die persönliche Entdeckung, dass sich das Wasser im Klo wirklich gegen den Uhrzeigersinn dem Kanal entgegendreht), folgten weitere Begegnungen mit dem australischen Nationalhüpfer. Diese späteren Exemplare hüpften allerdings nicht mehr weit, sondern lagen überfahren als Roadkill am Straßenrand. Relativiert ein bißchen das Bild vom süßen, flauschigen Schmusehopser, wenn man sie dann so sieht...
Unser letzter Stop vor Melbourne war ein weiteres der oben erwähnte Städtchen namens Rutherglen, das sich aber in einem wichtigen Punkt von den anderen unterschied und uns deswegen auch einen kleinen Umweg wert war: Es besteht hauptsächlich aus Weingütern und damit herrlich vielen Möglichkeiten zur Weinverkostung. Und siehe da, nach unseren ersten positiven Erfahrungen mit Australien fanden sich noch zahlreiche weitere, rote und weiße, liebliche und trockene, leichte und schwere Gründe, Australien zu mögen. Da wir uns allerdings selbst Sparmaßnahmen auferlegt hatten (ja, die Finanzkrise hat auch uns eingeholt), ergab dies gewisse Diskussionen: „Hm, der Shiraz is’ ja wirklich klasse, aber 20$, hm ich weiß nicht. Wir wollten doch sparen....“ – „Hm, ja, stimmt... aber wir könnten doch heute nacht irgendwo gratis in der Pampa stehenbleiben und nichts für den Campingplatz zahlen?!“ Aber wie alle Sparpläne und Hilfspakete der europäischen Regierungen ist letztlich auch unser Sparplan des Tages gescheitert: Der Shiraz wurde am bezahlten Campinplatz geleert... und hat noch dazu aus Plastikbechern bei weitem nicht mehr so gut geschmeckt wie aus den Riedl-Gläsern im Weingut.

Kommentare:

  1. Shiraz aus dem guten Plastik. Hört sich ja gut an. Hoffentlich hattet ihr eine hochwertige Coke zur hand ;-)

    Im Camper solltet ihr wohl doch eher zum guten alten Blechweckerl oder 16er-Blech - sprich Büchsenbier - greifen.

    Danke für deine G´schichten.

    Der bekennende Weils-am-Weg-liegt-Blog-Fan
    Felli

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  2. Eine Woche Katoomba als Horrorszenario? Ehrlich gesagt war ich am ueberlegen, ob ich nicht anstelle der zwei Wochen besser drei, vier oder fuer ueberhaupt dortbleiben sollte - einer der schoensten Orte, die es gibt... vorrausgesetzt man klettert gerne! Na dann weiterhin alles Gute euch beiden. Ich bin am Weg nach Hong Kong... und dann gehts noch nach China... zum Klettern ;)
    Nina

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